Kommentar – Zwei Dinge, die so nicht stimmen

„Mylords, ladies, fellow party workers – I am a golfer“, beginnt Rowan Atkinsons vielleicht politischstes Stück. Es ist eine Auseinandersetzung mit der Verlogenheit konservativen Sprachgebrauchs. Ich würde meinen Artikel gerne ähnlich beginnen, nämlich damit, dass ich Radfahrer bin. Und dass ich mich für Politik interessiere und sogar politisch aktiv bin. Zu beiden Dimensionen meiner Persönlichkeit ist mir in den letzten Tagen etwas eingefallen, das ich für mitteilenswert halte. Zwei Dinge, die ich die längste Zeit für wahr oder glaubwürdig gehalten habe, die so, wie sie mir einmal vermittelt wurden, aber nicht sind. Das eine ist, dass das eigentliche Problem von Dieselabgasen ihr Stickoxidanteil sei. Und das andere, dass wir in einer gut funktionierenden Demokratie leben. Zu beiden Narrativen möchte ich ein paar eigene Gedanken beisteuern:

 

Unstimmigkeit Nummer 1: Wie abstrakt über Dieselabgase gesprochen wird

Abgasproblem nicht hinter abstrakten Fachbegriffen verstecken
Als chemisch nur minimal vorgebildeter Mensch weiß ich nicht, wie verschiedene Stickoxide riechen und habe darum selbst keine bewusste Erfahrung mit ihrer Wirkung auf meinen Körper. Ich gehe nicht auf die Straße und sage: „Ah, hier riecht es nach Stickstoffdioxid“ (NO2, s. Wikipedia-Artikel). Die EU-Abgasnorm orientiert sich aber stark am Stickstoffoxid-Ausstoß. Ein nach der Euro 6-Norm eingestellter Diesel stößt deutlich weniger von dem schädlichen Gas aus als ein noch nach Euro 5-Norm eingestellter Motor. Als Fahrradfahrer, Fußgänger und Ottonormalverbraucher bin ich nicht vorgebildet, das giftige Gas am Geruch eindeutig zu identifizieren. Ich kann auch nicht beurteilen, was es mit mir macht und wieviel dessen, was ich durch die Einwirkung vom Abgas spüren kann, genau an diesem Gas-Bestandteil liegt. So mag es richtig sein, dass es eine Rolle spielt, wie viel davon ausgestoßen und in meine Atemluft geblasen wird. Das eigentlich von mir identifizierbare Problem, das ich als Radfahrer und Fußgänger mit dem Abgas von Dieselmotoren habe, ist aber der sensorische Eindruck, den ich beim Atmen des gesamten Abgasgemisches aus der Dieselverbrennung empfinde: Ich leide unmittelbar unter dem Gefühl, das der ölige Staub auf meinen Schleimhäuten in Mund und Rachen hinterlässt. Der schwere, schale, säuerlich-staubige Geruch verschlägt mir von einer Sekunde auf die andere den Atem, zwingt mich alle paar Schritte oder Trampelbewegungen auf einem Weg durch die Stadt dazu, das Atmen zu unterbrechen, kurz anzuhalten, vermehrt auch Schutz in einer Nebenstraße zu suchen, in die das Abgas nicht hineingeflossen ist und zu warten, bis der Spuk auf der Straße, auf der ich gerade irgendwo hinfahren oder hinlaufen wollte, vorüber ist. Komme ich am Ziel an, spüre ich tief in den Hals hinein die Verätzung, die die Gase in den Atemwegen hinterlassen. Ich finde es bemerkenswert, dass dieser unmittelbare Effekt des Dieselabgases auf mich als Verkehrsteilnehmer während der ganzen Debatte um den Dieselskandal nicht breit aufgegriffen worden ist. Stattdessen verschanzen sich auch die Journalisten, deren Beruf und Aufgabe es ist, öffentliche Debatten kritisch zu begleiten, hinter dem für normal Sterbliche zu abstrakten Begriff des Stickoxids. Tiefer wird dann für gewöhnlich nicht gebohrt. Geruchseigenschaften und Effekte auf die Atemwege – also die eigentlich Konsequenz für großstädtische Verkehrsteilnehmer – werden nicht genauer beschrieben. So bleibt die ganze Debatte immer einen Schritt weg vom tatsächlichen bewussten Erleben der Verkehrsteilnehmer.

Zwei Gruppen mit unterschiedlicher Wahrnehmung
Ein Zusatz sei gemacht: Im Gespräch mit Freunden, Kollegen und Ortsbeiratsmitgliedern des Ortsbeirates 1 in Frankfurt am Main ist mir aufgefallen, dass es zwei Gruppen von Menschen gibt, die das oben Beschriebene unterschiedlich wahrnehmen: Eine Gruppe (eine Kollegin sagte mal von sich selbst „die Hechler“, weil sie durch das gezielte Aussetzen oder Verändern der Atmung das Einatmen der Gase versuchen zu vermeiden) sind diejenigen, deren Sinne die giftigen, staubig-öligen Ruß-Gas-Gemische, die von Dieselfahrzeugen jeder Generation ausgestoßen werden, intensiv wahrnehmen und sofort ans Bewusstsein melden. Es gibt aber auch die Gruppe derer, denen die Intensität dieser Sinneswahrnehmung oder sogar die gesamte Sinneswahrnehmung dieses Phänomens fehlt und denen demnach auch das Bewusstsein dafür komplett oder fast ganz fehlt. Welche von beiden Gruppen besser dran ist, sei dahingestellt. Am Ende entscheidet nicht der subjektive sensorische Eindruck darüber, welche Schädigung an der Gesundheit entsteht, sondern das tatsächliche physikalisch-chemische Geschehen, das durch Gas und Ruß im Körper ausgelöst wird. Gehört man zur ersten Gruppe, kann man sich teilweise durch Luft anhalten oder Umwege fahren vor den negativen Einflüssen schützen. Gleichzeitig erzeugt das dauernde Bewusstsein für die krasse Verschmutzung der städtischen Atemluft aber auch für vermehrten Stress und Unzufriedenheit. Hier wäre mangelndes Bewusstsein psychisch betrachtet eher vorteilhaft.

 

Unstimmigkeit Nummer 2: Der politische Prozess ist manchmal auch Risiko für die Demokratie – die Gewaltenteilung erscheint der verlässlichere Part des Systems zu sein

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Demokratie oder Oligarchie?
Die zweite Sache, zu der ich gerne ein paar Gedanken teilen würde, ist die weit geteilte Vorstellung, wir lebten in einer funktionierenden Demokratie (Oskar Lafontaine spricht in seinem letzten Interview mit Tilo Jung beispielsweise davon, wir lebten in einer Oligarchie). Hierzu ist zu sagen, dass wohl weder die eine noch die andere Feststellung ganz falsch ist. Sie sind aber eben auch beide nicht ganz richtig. Am Interessantesten finde ich, dass die Behauptung, wir lebten in einer funktionierenden Demokratie aus Gründen nicht ganz falsch ist, die uns vielleicht nicht zuallererst einfallen würden, wenn wir über den Demokratiebegriff nachdenken. So denke ich, könnte man sagen, dass wir nicht deshalb in einer funktionierenden Demokratie leben, weil wir regelmäßig Wahlen abhalten und eine echte repräsentative Demokratie seien. Das ist deshalb eher nicht der Fall, weil die Entscheidungsprozesse im demokratischen Meinungsbildungs- und Meinungsaggregierungs- sowie Abstimmungsprozess zäh und langwierig sind. Oft gehen sie über viele politische Ebenen in Parteien und von untergeordneten Gremien über mittlere hin zu übergeordneten Gremien. Die Verwaltung spielt mit hinein und die Dinge dauern zum einen sehr lange, zum anderen ist nicht klar, wie viel eines Vorschlages auf einer unteren politischen Ebene zu welchem Zeitpunkt weiter oben entschieden und in echtes hoheitliches Handeln umgesetzt wird. Das erfahre ich schon heute, nach gerade mal anderthalb Jahren, in denen ich den Frankfurter Politikbetrieb aktiv begleite, als frappierende Schwäche. Gleichzeitig öffnet diese (man könnte sich fragen: gewollte?) Langsamkeit Partikularinteressen, die von außen direkten Einfluss auf die höheren Politikebenen suchen, einen kompetitiven Vorteil vor dem eigentlichen politischen Prozess „durch die Institutionen“. Auf höchster Ebene im Bund kann man das, denke ich, sehr gut beobachten:

Warum gibt es keine intelligentes Logistiksystem in Deutschland?
Obwohl Deutschland als Land der Ingenieure und Erfinder gilt, hat die hohe Politik das Land in eine Art Verkehrskollaps rennen lassen. LKW verstopfen die Autobahnen, Bahnstrecken fehlt die Kapazität, mehr Waren auf der Schiene zu transportieren und ein intelligentes System, wie man Container praktischer Größe relativ mühelos auf die Schiene und am Ziel für eine regionale Verteilung auf elektrisch betriebene Kleinlaster umladen kann (in etwa so, wie es die Schweiz und China mit ihren ausgesprochen ambitionierten Projekten unterirdischer Logistik „Cargo Sous Terrain“ nun sogar noch eine Stufe ehrgeiziger angegangen sind), fehlt in unserem „besten Land der Welt“ komplett. Ein Schelm, der dabei denkt, dass das reiner Zufall sei oder am Fehlen deutscher Erfinder- und Ingenieursintelligenz liege. Näher als das liegt wohl, dass es eine mächtige Lobby oder mehrere mächtige Lobbys gibt (die Lobby der Logistik-Unternehmer, die Veränderung scheut, die Lobby der Straßenbauer, die die Zerstörung der Autobahnen durch Schwerlastverkehr begrüßt, die Politiker, die vom positiven Konjunktureffekt, den die Dauerausbesserung der überlasteten Straßen bringt, profitieren, die Öl-Lobby, die den Verbrauch von LKW-Diesel gerne wachsen sieht etc.). Es gibt auch andere Beispiele.

Warum haben wir nicht längst eine nachhaltigere Landwirtschaft?
Der Vorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Felix Löwenstein, hat beispielsweise einmal eindrucksvoll darauf hingewiesen, dass die Kosten, Rückstände von in der „konventionellen Landwirtschaft“ verwendeten Pestiziden und Herbiziden wieder aus dem Grundwasser zu entfernen in etwa der gesamten Wirtschaftsleistung dieser konventionellen Landwirtschaft entsprächen. Würde man diese an die Allgemeinheit ausgelagerten Kosten in den Preis der auf solche Weise hergestellten Lebensmittel integrieren, müssten sie also im Supermarkt das Doppelte vom heutigen Preis kosten. Dann, sagte er, könne man auch gleich auf ökologische Weise Landwirtschaft betreiben. Die Posse des unabgestimmten Abstimmungsverhaltens eines CSU-Ministers im Europäischen Rat zur weiteren Zulassung des Herbizids Glyphosat vor etwas mehr als einem Jahr dürfte den meisten noch vor Augen stehen. Kaum einer wird glauben, dass so positive und kreative Veränderungen zum Wohle der Allgemeinheit auf den Weg gebracht werden. Dahinter steckt vermutlich eine Politik, die auf die Interessen derer hört, die gut am Status Quo verdienen.

In diesem Zusammenhang wäre es sicher fruchtbar, auch die Politik der Rüstungsexporte und die Gesundheitspolitik einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Das ist für den Zweck dieses Artikels an dieser Stelle nicht nötig. Jeder kann sich selbst dazu ein paar eigene Gedanken machen und sie in Bezug zur hier am Anfang gestellten Frage (funktioniert die Demokratie oder funktioniert sie nicht?) setzen.

Die in der Verfassung festgeschriebene Gewaltenteilung ist ein recht zuverlässiger Garant der Demokratie
Das positive Argument, weshalb wir vielleicht trotzdem in einer halbwegs funktionierenden Demokratie leben, speist sich aus einer anderen Überlegung: Wir haben – sieht man vom gegen die Verfassung verstoßenden Unding des Fraktionszwangs im Bundestag ab – eine einigermaßen vorhandene Gewaltenteilung. Gerade die Justiz, die dritte Gewalt im Staate, führt das im Kontext der Klagen der Deutschen Umwelthilfe gegen die Luftverschmutzung in den Städten eindrucksvoll vor.
Noch beeindruckender hat sich das Prinzip der Gewaltenteilung als Eckstein der Demokratie während der letzten zwei Jahre in den USA gezeigt. Immer wieder haben Richterinnen und Richter Anordnungen des Präsidenten aufgehoben, wenn es etwa um eine Einreisesperre für Angehörige bestimmter Nationen, um die Ausweisung der Kinder von illegalen Einwanderern oder um die Aufweichung von Umweltstandards ging. Nicht umsonst hat während meines Studiums der Politischen Wissenschaften der hellsichtigste meiner Professoren gesagt, der Souverän sei in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht etwa das Volk, sondern die Verfassung. Die Verfassung garantiert „Checks and Balances“, also die gegenseitige Überprüfung und den Ausgleich zwischen den verschiedenen wichtigen Institutionen und Akteuren.
Auch dieses Instrument ist natürlich dauernd in Gefahr, wie wir in Polen sehen, wo die Gewaltenteilung per Regierungsbeschluss de facto aufgehoben wurde und Richterinnen und Richter nun von der Regierung ernannt werden können. Auch in den USA ist mit der (verfassungsgemäßen) Wahl politisch willfähriger oberster Richter (zuletzt Brett Kavanaugh) ein Hohlraum unter der Gewaltenteilung möglich. Und auch hierzulande werden Richter von einem vermutlich nicht ganz zufällig eher konservativen Justizapparat nach dem Prinzip der Elitenselektion ernannt und befördert, was insgesamt für eine abgeschwächte Kontrolle klassisch-konservativer Regierungsarbeit sorgen dürfte.
Wenn wir in einer funktionierenden Demokratie leben, dann jedenfalls eher der Gewaltenteilung halber als der regelmäßigen Wahlen und der (eben immer der Gefahr von Korruption ausgesetzten) Arbeit der politischen Institutionen halber. Auch, wenn man vielleicht gerne zuallererst dahin guckt. Damit macht man es sich zu einfach, wie auch das Interview zeigt, das der russische Präsident Vladimir Putin anlässlich seines jüngsten Österreich-Besuch dem ORF gab. Hier führt Putin, geradezu als Beweis für die demokratische Verfasstheit Russlands die regelmäßigen Wahlen an (Aufzeichnung bei Youtube, 44‘ 50‘‘ ff.). Wer Russland auch nur aus der Ferne beobachtet, kann leicht den Eindruck gewinnen, dass aber gerade der Mangel an echter Gewaltenteilung der Grund dafür ist, dass es mit der Demokratie dort doch nicht so weit her ist, wie der Präsident glauben machen will. Das Interview ist im Übrigen auch deshalb interessant, weil Putin darin dünnhäutig, reizbar und somit schwach wirkt. Anders, als er sonst aufzutreten trachtet.

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Kommentar – Gedanken zum Anstandsbegriff von Friedrich Merz

Friedrich Merz bewirbt sich um den Vorsitz der CDU. Die Medien widmen dieser Nachricht viel Aufmerksamkeit. Ich nehme den Trubel zum Anlass – schon aus Freude an der Debatte – selbst ein paar Gedanken beizutragen. Dabei frage ich, ob Herr Merz sich nicht vielleicht selbst täuscht, wenn er davon ausgeht, er sei grundsätzlich „anständig“. Und ich schließe die Überlegung an, ob nicht jeder und jede von uns anfällig ist für die Art von Selbsttäuschung, die ich bei ihm zu erkennen meine.

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„Konservativ sein heißt zuallererst, sich anständig zu benehmen“, wird Friedrich Merz‘ Leitgedanke zitiert. Die Kandidatur des ehemaligen CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden für den Vorsitz der noch größten verbliebenen Volkspartei wirft die Frage danach auf, was anständig sein heute für uns als Bürger und Wähler bedeutet. Wen möchten wir gerne als Vertreter unserer Interessen, als Sprachrohr unserer aggregierten Meinungen und Ansichten an der Spitze der größten Partei der „Mitte“ – deren Adressat dieser Definition nach ja alle oder fast alle sind – sehen und ihn das, was uns bewegt, vortragen hören?

  1. Möchten wir einen Anständigen, der sich nur dadurch als anständig qualifiziert, dass er Frauen eben nicht ohne ihr Einvernehmen ans Geschlechtsteil fasst, so, wie es der amerikanische Präsident nach eigener Aussage tut?
  2. Oder sind unsere Ansprüche etwas höher? Legen wir etwa Wert darauf, dass der Kandidat, der uns und unsere Interessen und Wertvorstellungen, unser Leben und unsere Zukunftschancen in der größten politischen Partei des Landes vertreten soll, etwa keine Steuern hinterzieht, im Gegensatz zu beispielsweise dem isländischen Ministerpräsident Gunnlaugsson im Skandal um die Panama Papers?
  3. Oder würde uns auch das noch nicht genügen, um einen Menschen als anständig anzusehen, sondern würden wir dazu neigen, mehr in ihm oder ihr sehen zu wollen? Hätten wir vielleicht gerne, dass er ein wenig ist wie wir, dass er zudem bodenständig ist, uneitel, und für andere da, auch, wenn die Presse nicht mit dabei ist und ihn beim Gutsein fotografiert? Hätten wir vielleicht gerne, dass wir uns auch mit seinem Beruf identifizieren können und dass er nicht das 30- oder 50- oder 200-fache von dem verdient, was wir verdienen? Weil wir das nicht verstehen können und weil etwas in uns sich regt und sagt, dass das wahrscheinlich ungerecht ist, sicher aber so etwas wie Neid auslösen kann?

Bei Friedrich Merz drängt sich nun durch die Berichterstattungen über seine berufliche Verbindung zur weltweit größten Investmentgesellschaft (die auch als „heimliche Weltmacht“ bezeichnet wird) und seine anderen geschäftlichen Engagements die Frage auf, ob er nicht gleich gegen zwei der oben beschriebenen möglichen Erwartungshorizonte verstößt. Da er Aufsichtratsvorsitzender der Firma Blackrock ist, die möglicherweise in den größten Steuerraub der Geschichte verwickelt ist, möchten wir gerne verstehen, ob wir es nicht bei Merz mit jemandem zu tun haben, der sich mit Kriminellen gemein macht aus der Kategorie des rücksichtslosen und skrupellosen „Pussy-Grabbers“ Trump, mit Milliardären, denen andere Leute völlig egal sind und die ausschließlich und über Leichen nur ihren eigenen Vorteil suchen. Nämlich mit den Räubern von mühsam verdientem Steuergeld, die mit ihren Cum-Ex-Machenschaften viele Milliarden Euro von einfachen CDU- und CSU-Wählern verdientem Geld aus der Staatskasse gestohlen haben, um sich davon Boote, Flugzeuge und mehrere Häuser auf Mallorca und sonst wo zu kaufen und in den arabischen Emiraten wilde Champagnerpartys zu feiern (s. die Recherchen von correctiv.org unter folgendem Link: https://cumex-files.com/). Alle sind sich einig, dass Merz gewiss nichts mit diesen Machenschaften selbst zu tun hat und man darf, wenn man ihm in Interviews zuhört, davon ausgehen, dass er solche Taten ablehnt und sogar verabscheut.

Verabscheut er es aber auch – und das führt uns zu Zweifeln über seine Qualifikation für den oben beschriebenen möglichen dritten Erwartungsmaßstab, den wir vielleicht gerne an einen anständigen Menschen anlegen würden – von reichen Vermögensverwaltern hofiert zu werden, mit dem schönen Titel „Aufsichtsratschef“ versehen zu werden, hohe Gehälter auf sein Konto fließen zu sehen? Auf Wikipedia ist für eine Beratertätigkeit einmal von 5.000 Euro brutto pro Kalendertag die Rede, versehen mit dem Zitat von Friedrich Merz, dass es sich hierbei um „Standardstundensätze“ gehandelt habe. Das durchschnittliche Gehalt eines deutschen Arbeitnehmers und einer deutschen Arbeitnehmerin liegt heute bei 3.771 Euro brutto im Monat. Das Standardstundensatz-Zitat und auch seine vielfältigen Engagements im Bankensektor zeigen, dass die Antwort darauf nein lautet: Er verabscheut das nicht. Er sucht diese Kontakte und er stellt sich gern und mit großem monetären und prestigemäßigen Gewinn in den Dienst der Unternehmen, die solche „Standardstundensätze“ bezahlen. Legt der Vergleich dieser Stundensätze mit dem deutschen Durchschnittslohn nicht schon nahe, dass hier das Feld des Anstands weit verlassen ist? Eine normale Wertschöpfung, mit der jeder einfache Arbeitnehmer, ob gering oder hochgebildet, sein Brot verdient, kommt nicht ansatzweise in die Nähe der Beträge, die hier bezahlt werden. Muss man sich dann nicht fragen, als jemand, der vorgibt, dass Anstand ihm so wichtig sei, woher dieses Geld kommt? Wenn ein Universitätsprofessor, ein Geschäftsführer eines Bäckerei-, Dachdecker- oder Heinzungsinstallationsbetriebs und ein Zahnarzt vielleicht 100.000 Euro im Jahr verdienen können, mit Glück vielleicht 150.000 Euro (und das sind die hart arbeitenden Besserverdiener, von den einfachen Angestellten soll an dieser Stelle gar nicht die Rede sein), wie kann dann ein Monatsgehalt von 150.000 Euro auch durch „anständige“ Arbeit erwirtschaftet worden sein? Die Wahrscheinlichkeit dafür ist äußerst gering, wird jeder mit ein wenig Auffassungsgabe allein an der krassen Diskrepanz erkennen. Zumindest also entsteht durch diese schwere Nachvollziehbarkeit eine moralische Beweislast bei dem, der so unfassbar viel Geld einstreicht, dass es nicht auf Kosten anderer und also auf unanständige Weise erlangt worden ist. Dieser muss er sich stellen. Und grundsätzlich stellt sich die Frage, ob es nicht schlicht unanständig ist, so viel mehr anzunehmen als die meisten Menschen um einen herum, ganz unbenommen der Anständigkeit oder Unanständigkeit der dahinterliegenden Tätigkeit. „Relativer Wohlstand“ ist das Stichwort in der Sozialwissenschaft (s. den ersten Abschnitt dieses Blogartikels, der auf den folgenden, zugangsbeschränkten Artikel in Science verweist und den hier verlinkten Zeitungsartikel aus dem Telegraph). Er steht am Ursprung von Neid und Missgunst. Ein kluger Kopf müsste es ablehnen, solch tiefe Gräben zwischen unterschiedlichen Wohlstandsniveaus entstehen zu lassen oder sogar aktiv an ihrer Entstehung mitzuwirken.

Friedrich Merz ist darum kein möglicher Kandidat für den Vorsitz einer großen Volkspartei. Er ist einer Haltung aufgesessen, die für den eigenen Wohlstand, das eigene Ansehen, die eigene Eitelkeit bereit ist, ein Auge zuzudrücken. Eine Haltung, die weitverbreitet ist und die ihre Wurzeln hat im Materialismus, im Wunsch nach sozialem Aufstieg durch das Haben von Dingen, mit denen man nach außen seinen sogenannten Erfolg zeigen kann. Wie viele Menschen drücken nicht ein Auge zu, um sich ein neues Auto leisten zu können, ein größeres Haus? Man drückt ein Auge zu, wenn man früher aufsteht als der eigene Körper es nahelegt, um rechtzeitig an die besser bezahlende Arbeitsstätte zu gelangen. Man drückt ein Auge zu, wenn man im Betrieb nach den zehn gesetzlich erlaubten Arbeitsstunden ausstempelt und trotzdem weiterarbeitet, um dem Chef zu gefallen und die eigenen Karrierechancen zu erhöhen. Man drückt ein Auge zu, wenn man Kinder hat und erst um 19:30 Uhr nach Hause kommt, weil die Arbeit im Büro so wichtig ist, an der ja der schicke Dienstwagen und das große Gehalt hängen und man drückt ein Auge zu, wenn man sich als Elternpaar dafür entscheidet, dass die Frau die meiste Elternzeit nimmt, weil „sie ja weniger verdient“ und das deshalb „günstiger“ sei.

Viel zu oft sind Menschen bereit, ein Auge zuzudrücken, um ihren meist vollkommen ausreichenden materiellen Wohlstand und ihr in ihrer eigenen Wahrnehmung damit nicht unwesentlich verknüpftes gesellschaftliches Ansehen zu mehren, anstatt die eigentlich wichtigen Dinge im Leben in den Mittelpunkt zu rücken: Zeit miteinander zu verbringen, Muße zu haben, ein gutes Buch zu lesen, Musik, Sport und Spiel zu genießen. Friedrich Merz ist nur die Spitze eines riesigen gesellschaftlichen Eisbergs menschlicher Eitelkeit und einer Art materialistischer Hysterie. Für sein eigenes Fortkommen hat er sich gemein gemacht mit Menschen, deren Verdienstmodell in den Augen einer das Volk vertretenden Partei nur ein unanständiges sein kann, wie der Vergleich oben zeigt. Seine Kandidatur sollte Anlass geben, dieses rücksichtslose Verhaltensmuster gegen uns selbst und gegen andere, das auf dem Wunsch nach dem Höher, Schneller, Weiter fußt, grundsätzlich zu überdenken. Eine Idee wäre, etwas selbstbewusster auf die soziale Ausstrahlung der eigenen Persönlichkeitsmerkmale zu blicken, die auch ohne die Unterstützung durch den Besitz prestigeträchtiger Gegenstände eine positive Wirkung auf unsere Mitmenschen entfalten können.

Ein anständiger Mensch, den wir als Bürger und Wähler schätzen und respektieren und dem wir ein hohes soziales Prestige zubilligen, muss jemand sein, der sich um andere kümmert und bemüht, der sich bildet und klug zu uns sprechen kann, ohne dabei hochnäsig zu sein, der sich in den Dienst der Gemeinschaft stellt und seine Arbeit tut, ohne dabei einen unverhältnismäßigen Teil des insgesamt Erwirtschafteten für sich selbst abzuschöpfen und der sich aufrecht und mit Zivilcourage gegen jene stellt, die sich selbst schamlos auf Kosten anderer bereichern. Friedrich Merz kann diese Definition von Anstand nicht für sich in Anspruch nehmen und man mag es ihm kaum übel nehmen, das selbst nicht erkannt zu haben, weil es zu sehr normal geworden ist, dass jeder auf Teufel komm raus seinen eigenen materiellen Vorteil sucht.

For better and worse, “Hostiles” points out the inherent absurdity in the quest for redemption

My friend Reinhard offers some thoughts on war and its moral implications which one will not easily find in the national press. However, another friend of mine, the late D-Day veteran Ken from the UK, would have embraced his views, as he knew too (bloody) well what being in a war really means.

MultiMediographer

“Except for the guys to my left and my right. Those guys are what it’s all about.”
Korengal (Dir. Sebastian Junger. USA/ITA/AFG, 2014)

There is an absurd(ist) conundrum at the center of a soldier’s role in war, and the above quote captures it really well. Once you’re “in the shit” you find the reason why you went there in the first place. But you cannot know it unless you go. Put another way: your fellow soldiers, the brothers you never knew you had, would never even need your protection, if all of you had just managed to find a way to stay home. Alas, then you would never have a chance to become brothers-in-arms in the first place. As a guiding principle in a theater of war, it’s potentially yet unequivocally life-saving. At the same time, if you were to try and use this sort of reasoning as an…

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www.versorgter-bürger.de ist live

Ein gesellschaftspolitischer Hinweis aus München von grundlegender Bedeutung für die laufende Flüchtlingsdebatte. Man möchte mit etwas volkswirtschaftlichem Grundlagenwissen hinzufügen: Wir sind vor allem deshalb so gut versorgt, weil wir mit der Gobalisierung das globale Wohlstandsgefälle optimal zu unseren Gunsten auszunutzen gelernt haben und weil die europäische Währungsunion mit wirtschaftlich schwächeren Ländern unsere Währung so bezahlbar hält, dass wir die in Deutschland hergestellten Produkte zudem auch noch zu attraktiven Preisen weltweit verkaufen können. Was mit der D-Mark und dem hohen deutschen Handelsüberschuss der letzten Jahre so nicht hätte funktionieren können, da sich der Wechselkurs marktbedingt stark zuungunsten des Exports verändert hätte.

First.Person.Writer

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Ich bin ein VERSORGTER Bürger. Was das bedeutet? Nun, ich wurde von liebenden Eltern herangezogen, durfte einen Kindergarten, eine Grundschule, ein Gymnasium und anschließend eine Universität plus Auslandsjahr besuchen, während ein stabiler Freundes- und Bekanntenkreis an meiner Seite stand und steht.

Jetzt wohne ich in einer abschließbaren Wohnung, habe Strom, Gas, Wasser und bin an eine schnelle Datenkommunikation angeschlossen. Jederzeit kann ich mir in Laufnähe etwas zu essen kaufen, zu einem Arzt oder einer Postfiliale gehen. Handwerker sind im nächsten Umkreis zur Stelle.

Meine deutsche Staatsangehörigkeit stattet mich mit vielen Grundrechten aus: Versammlungsfreiheit, Mobilität…oder das Wahlrecht (wobei das noch längst nicht alle sind!).

Ja, ICH bin ein rundherum gut versorgter Bürger – daher habe ich mir für ein Jahr die URL www.versorgter-bürger.de gesichert. Denn wenn Ihr glaubt, das sei alles selbstverständlich und nicht ein riesiges Glück, habt Ihr nicht das Geringste verstanden.

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Buchbesprechung: „12 Rules for Life, An Antidote to Chaos” von Jordan Peterson

Jordan B. Peterson, 12 Rules for Life, An Antidote to Chaos, Penguin, 2018, 370 Seiten

Jordan Petersons im Januar erschienenes Buch „12 Rules for Life“ ist weltweit mehrere hunderttausend Mal verkauft worden. Peterson selbst hat in den vergangenen zwei Jahren durch seine kontrovers diskutierte Teilnahme an einer kanadischen Debatte über die sprachliche Dimension geschlechtlicher Identität und die Veröffentlichung von Vorlesungen auf Youtube Bekanntheit erlangt. Er ist ein kanadischer Professor für Psychologie und ein klinischer Psychologe. Kritiker werfen ihm vor, in seinen bewusst auf Traditionen rekurrierenden, altmodischen Botschaften einer rechtsgerichteten Denkweise Vorschub zu leisten. Einer Denkweise, die die positiven Errungenschaften von Gleichberechtigung und individueller Freiheit abzuwerten trachte.

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Zähe Lektüre
Die große öffentliche Aufmerksamkeit, die Jordan Peterson zuteilwird, rechtfertigt es, einige Zeilen über das Buch zu schreiben. Zunächst sei gesagt, dass sich das Buch nicht einfach liest. Es ist relativ langatmig und voller ausführlicher Beispiele, die nicht alle einen strikten „Redundanz-Test“ überstehen würden. Mit 370 Seiten manchmal spürbar kanadischen Englisch etwas altmodischen Einschlags, das man aus den Vorlesungen von Jordan Peterson kennt und denen außerdem noch ein unnötig langes, 35-seitiges Vorwort vorangestellt wird, ist es technisch betrachtet ein zähes Stück Lektüre.

Weniger wäre mehr gewesen
In den Rezensionen, die man im Internet findet, ist immer wieder die Rede davon, dass das Buch neben einer Funktion als „Self-help“-Buch auch eine Art Einführung in die Philosophie oder sogar Mythologie böte. Das ist aber gerade nicht der Fall und sollte potenzielle Leser nicht auf eine falsche Fährte locken. Es ist besonders augenfällig, dass das Buch genau dort seine Stärken hat, wo es aus der Erfahrung seines Autors als klinischem Psychologen schöpft. Hier erfüllt es seinen Zweck als Selbsthilfe-Ratgeber. Gegen diesen erfrischend-interessanten Hintergrund des Einblicks in ein Arbeitsleben mit hauptsächlich vom Sein geschlagenen Menschen, wird aber auch und gerade die große (vor allem methodische) Schwäche der Versuche sichtbar, philosophisch oder religiös zu argumentieren. Hier ist das Buch inkonsistent, oft geradezu erratisch und beliebig und bleibt in einer keine allgemeine Gültigkeit beanspruchen könnenden, privaten Weltanschauung verhaftet. Der Autor versucht künstlich, dieses mehr befremdliche als überzeugende Beiwerk zu einer Art geistigem Substrat für die Erzählung einer Berufserfahrung zu machen, die viel stärker und überzeugender ohne diesen Rahmen dastehen könnte.

Holzschnittartig und weltanschaulich tendenziös
So ist das Logische nicht per se männlich und das Chaotische nicht per se weiblich, es stellt keinen Verstoß gegen die guten Sitten dar, vom Mann als dem schwachen Geschlecht zu sprechen, es ergibt sich nicht zwingend aus der Biologie, dass die Frau die Kinder erziehen muss und die Funktion des Mannes als Beschützer der Frau zu sehen sei. Man mag als Mensch solche Ansichten teilen oder ihnen widersprechen. In einem Text, der den Anspruch erhebt, einem breiten Publikum eine Hilfestellung zum besseren Umgang mit der Welt und dem Leben geben zu wollen, verbietet sich jedoch apodiktisches Schwafeln. Das tut Peterson aber und versäumt es, auf Folgendes hinzuweisen: In alten Kulturen mag das Logische als männlich geprägt worden sein, etwa weil Männer die Bildung bekamen, Texte schreiben zu können und dann in der Umsetzung von ihrer Kompetenz-Kompetenz nicht ohne Eitelkeit Gebrauch gemacht haben. So, darf man annehmen, bilden sich nun einmal sozial kommunizierbare und verinnerlichbare Vorstellungen. Mehr steckt wahrscheinlich nicht dahinter und deshalb ist es schwach, daraus ein ontologisches Argument stricken zu wollen, das ganz grundlegend beeinflussen will, wie wir Männer und Frauen in sozialen Situationen bewerten. Und sieht man sich die verhältnismäßig hohe Lebenserwartung der Frau an und wirft man im privaten Umfeld einen Blick auf Ehepaare über 70, erscheint die Qualifizierung des Mannes als dem „schwachen Geschlecht“ einfach begreifbar. Es entscheidet also schlicht die Wahl der Perspektive darüber, ob man sich über eine Zuschreibung ärgert oder lustig macht oder sie einleuchtend findet. Und wenn er schon biologisch argumentiert, warum wählt er dann nicht auch die Vögel als Beispiel aus, die sich in strikter Gleichberechtigung um ihren Nachwuchs sorgen oder nimmt sogar solche zum Exempel, bei denen die Hauptlast fürs Brüten beim männlichen Part liegt (s. „Brut bei anderen Vögeln“)? Stattdessen beschränkt sich Peterson auf gewachsene Stereotypen wie: Die Frau hat die Hauptlast der Kindeserziehung zu tragen und deshalb wählt sie einen Mann aus, der ihr dabei den Rücken freihalten kann und um den sie sich nicht zusätzlich zum Nachwuchs auch noch kümmern müsse. Durchaus denkbare und sinnvolle andere Gründe, einen selbständigen, selbstbewussten, lebensfähigen Menschen als Partner zu selektieren lässt er vollkommen außen vor. Diese wären auch weder biologisch begründbar noch ausschließlich in eine Richtung, sondern für beide Geschlechter gleichermaßen gültig. Man denke nur an die Wünschbarkeit einer nicht allzu dumpfen Konversation in potenziell vielen Ehejahren oder an gemeinsame sportliche Interessen. Peterson bleibt hier zu holzschnittartig, vielleicht auch gerade, weil er mit seiner Erfahrung als klinischer Psychologe viel vom unteren Spektrum der praktischen menschlichen Glücksmöglichkeiten kennengelernt hat. Auf diesem sehr basalen Niveau des Beispiels der weiblichen Selektion zwischen einem potenziellen Ernährer und einem Taugenichts, und in der Einseitigkeit, wie er die darauf gerichtete Selektion ausschließlich bei der Frau verortet, vermag der Erklärungsversuch für Menschen, die nicht gänzlich am unteren Spektrum der Lebensfähigkeit herumkrebsen, keine Botschaft zu vermitteln. Die viel interessantere Denkpiste unterschiedlicher Gewalterfahrungen von Männern und Frauen (Ablehnung durch Frauen als primäre Gewalterfahrung vom Mann, körperliche Gewalt durch Männer als primäre Gewalterfahrung der Frau) schneidet er zwar an, verfolgt sie aber nicht auf eine tieferen Erkenntnisgewinn bringende Weise.

Philosophisch lückenhaft und religiös unsensibel
Genauso wenig hilfreich wie die im schlechten Sinne konservativen stereotypen Gemeinplätze sind Petersons Gedanken über das menschliche Glück, die Happiness, der er mal kritisch und abwertend gegenübertritt und die er dann an anderer Stelle wieder als erstrebenswert bezeichnet. Hier fehlt ein sauberes Konzept dessen, was Happiness bedeutet. Stattdessen lässt sich erahnen, dass an der einen Stelle die Verwendung des Begriffs etwas Oberflächliches bezeichnen muss, an der anderen Stelle etwas Erfüllendes, Wertiges. In der Philosophie gibt es ein langes Ringen um den möglichen Inhalt von Glück im menschlichen Leben. Hier wären Aristoteles und auch Hume hervorzuheben. Diese Autoren liefern Konzepte zum besseren Verständnis des Begriffs und seiner Befüllung. Dieser Tradition bedient sich Peterson nur kursorisch und stiefmütterlich, verwendet den Happiness-Begriff im weiteren Verlauf dann wieder vollkommen unkritisch und verzettelt sich so naturgemäß begrifflich.
Auch mag es in Ordnung sein, über eigenes religiöses Empfinden zu schreiben und doch lässt er dabei eine Selbstverständlichkeit walten, die versäumt, darauf hinzuweisen, dass ein Gottesbild nicht ohne Weiteres verallgemeinerbar und damit in erster Instanz etwas Privates und sehr Persönliches ist und also wirkt der geringe Grad der Abstraktion auf diesem Gebiet beinahe übergriffig, wenn Peterson über Gott schreibt und was Gott und das Göttliche für ihn bedeuten. Etwas mehr Feinfühligkeit und Zugänglichkeit für Menschen mit einem distanzierteren Blick auf Religion wären hier ganz angebracht gewesen.

Schuster bleib‘ bei Deinen Leisten
Unsaubere Verallgemeinerungen, die als Stütze für Petersons Weltsicht dienen sollen, durchziehen das ganze Buch. Zum Beispiel ist der Vergleich des durchschnittlichen Wohlstandes verschiedener amerikanischer Ureinwohnerstämme eine solche unsaubere Verallgemeinerung. Sie soll offenbar dazu dienen, ein Argument gegen staatlich organisierte Umverteilung zu machen. Peterson will damit auch die diskriminierende Qualität von Wohlstandsunterschieden zwischen verschiedenen Gruppen infrage stellen. Der Verweis ist aber in seiner Kürze schlicht manipulativ und wirft die Frage auf, ob die Kenntnis von mehr Details den Vergleich nicht hinken lassen würde (S. 315). Oder wenn Peterson suggeriert, die Erfindung der Anti-Baby-Pille durch einen Mann sei ein Akt der Männer zur Befreiung der Frau gewesen, dann kann das eine fragwürdige bis groteske Wirkung bei einem (im philosophisch, sexuellen und medizinischen Sinne) aufgeklärten Leser oder einer aufgeklärten Leserin entfalten (Man darf dabei an die hormonelle Belastung des Körpers durch das Medikament denken oder an die Vorteile, die auch Männern aus dieser Möglichkeit erwachsen sind oder etwa auch an die immer wieder einmal in der Presse aufblitzende und vermutlich nicht gänzlich unabsichtlich von Männern unterschlagene Möglichkeit, diese Art der hormonellen Verhütung dem Mann angedeihen zu lassen, um nur drei spontane Gedanken zu nennen, die an der wohltätigen Intention der übrigens ohnehin vorwiegend männlichen Erfinderwelt zu zweifeln erlaubt erscheinen lassen; s. S. 305). So lassen sich konstant einseitige Argumentationsschnipsel finden, die immer ein bisschen zu klar und ein bisschen zu einfach illustrieren, was dem Autor gerade in den Kram passt. Von der Aufgabe der klassischen Rollenverteilung im Haushalt (S. 271) bis hin zum sozialen Mechanismus der Identifikation mit einer Gruppe zum Zwecke der Landesverteidigung (s. 264). Man könnte das alles so sehen und man könnte auch nicht und darum wäre es klug gewesen, wenn er sich beim Schreiben auf das beschränkt hätte, womit er sich aus eigener beruflicher Anschauung wirklich auskennt.

Die wenig reifen und unsauberen Argumentationsmuster beschädigen das Buch und man darf davon ausgehen, dass es nicht veröffentlich worden wäre, wenn die im Internet entstandene Popularität des Autors nicht gute Verkaufszahlen und einen schönen monetären Gewinn für den Verlag versprochen hätte.

Ehrliche und erdige Ratschläge aus der beruflichen Praxis
Doch kann man als Leser auch etwas mitnehmen aus der Lektüre. Nämlich das geerdete Weltbild eines Mannes, der jahrzehntelang als praktizierender Psychologe viel Leid gesehen und unzähligen vom Leben geschlagenen und beschädigten Menschen zugehört hat. Darum sieht er das Leben auf erfrischende Weise von unten und denkt es von seinen Härten und Schwierigkeiten ausgehend. Diese Perspektive lässt ihn die Wichtigkeit der ganz kleinen positiven Veränderungen im Leben verstehen. Und so weist er überzeugend auf den Erfolg und die Schönheit hin, die in diesen oft minimalen Schritten der Selbstbezwingung und Selbstverbesserung gefunden werden können. Mit diesem Ansatz ist zweifellos auch jedem vermeintlich gesunden Leser ein guter Rat gegeben. Prokrastination, Unordnung, Ehestreit, verzogene Kinder sind nur vier Alltagsprobleme, die vermutlich den meisten Menschen im Laufe ihres Lebens begegnen und denen Peterson sich widmet. Für einen guten Umgang damit und einen Weg zu mehr Zufriedenheit in diesen Dingen gibt er Ratschläge aus seiner Praxis, die ehrlich und erdig sind und die man gerne und ohne den Zweifel ideologischer Färbung und auch ohne den Zweifel mangelnder Methodenkenntnis liest.

 

Lokalpolitik: Mein erster Antrag im Ortsbeirat 1 der Stadt Frankfurt am Main

Ich habe an dieser Stelle schon früher über Umweltthemen geschrieben:

In dieser Woche nun habe ich den Eintritt in die institutionelle Politik gewagt und mit den Grünen im Ortsbeirat 1 der Stadt Frankfurt am Main einen Antrag eingebracht, der vom Magistrat der Stadt die Nachbestellung leiserer Kehrmaschinen fordert. Die Sitzung fand am Dienstagabend statt und der Antrag wurde, mit den Gegenstimmen der CDU, verabschiedet.

Lokalpolitik ist ein zeitraubendes Geschäft: Die Sitzung des Ortsbeirats mit seinen 19 Mitgliedern begann um 19 Uhr und endete erst um halb zwölf Uhr nachts. 40 Anträge standen auf der Tagesordnung. Mit dem offiziellen Teil ist die Politik aber nicht getan. Beim anschließenden Wirtshausbesuch, der bis halb zwei Uhr nachts andauerte, wurde die wichtige politische Dimension des Gemütlichen und Zwischenmenschlichen fraktionsübergreifend gepflegt. Ein sehr sympathischer Aspekt der Lokalpolitik, wie ich erfahren durfte. Gleichermaßen war er aber inmitten einer Arbeitswoche auch konditionell fordernd.

Der Antrag

Der Antrag selbst nimmt im Grunde eine Regelungslücke im europäischen und nationalen Recht aufs Korn: Es gibt keine Obergrenzen für die Schallemission von Kehrmaschinen und Müllautos (im administrativen Jargon „Müllsammelfahrzeuge“) in der einschlägigen EU-Richtlinien und Bundes-Verordnung. Die Hersteller haben freie Hand in der Konzeption und Konstruktion der Maschinen und die Stadtbewohner müssen so Geräuschpegel vor ihren Fenstern ertragen, die im Bereich von Hubschrauberlärm, Kettensägenkreischen und Trompetenmusik liegen (s. Tabelle im Antrag).

Für die Kehrmaschinen gibt es nur eine Auszeichnungspflicht. Sie müssen ein Schild tragen (s. Abbildung im Antrag), das über ihren Schallemissionswert Auskunft gibt. Doch nicht einmal dieser praktisch nur wenig bewirkenden Pflicht kommt die Stadt Frankfurt nach.

Ziel des Antrags (der im Namen der beiden Fraktionsmitglieder der Grünen im Ortsbeirat, Andreas Laeuen und Anna Warnke, eingereicht wurde) ist es, das Bewusstsein für Lärm als innerstädtisches Problem, als Gefahrenquelle für die Gesundheit und die Lebensqualität der Stadtbürger zu schärfen (Kardiologen warnen immer wieder in den Medien vor den Belastungen, die Lärm auf das kardiovaskuläre System ausübt, die Relevanz dieser Hinweise wird greifbar, wenn man die Liste der häufigsten Todesursachen des Statistischen Bundesamtes betrachtet: Statistisches Bundesamt: Tabelle der häufigsten Todesursachen in Deutschland 2014; Statistisches Bundesamt: Tabelle der todesursächlichen Herzkreislauferkrankungen, Apotheken Umschau: Lärm, Die Welt: Lärm ist Körperverletzung, Der Spiegel: Lärm macht krank, Umweltbundesamt: Lärm verursacht Stress und Herzkreislauferkrankungen).
Gleichzeitig soll die Position der Kommune als Kunde und Käufer der besagten Maschinen genutzt werden, im Sinne der Bevölkerung eine lenkende Wirkung auf die Hersteller auszuüben.

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Am gleichen Tag meldete der NDR, dass die Stadt Hamburg bereits die ersten vollelektrischen Müllautos in der Praxis testet. Sie ist der Stadt Frankfurt damit weit voraus und lässt den nun eingebrachten Antrag im Ortsbeirat sogar ein wenig alt aussehen. Die neuen Fahrzeuge sind unter anderem deutlich leiser als die alten, mit fossilen Brennstoffen angetriebenen. Und sie blasen keine Abgase in die ohnehin schon belastete Stadtluft.

Abstimmungsergebnis

Der Antrag wurde von allen Fraktionen bis auf die der CDU angenommen (Abstimmungsergebnis: Zustimmung: 4x SPD, 1x Linkspartei, 2x FDP, 1x Die Partei, 2x UB, 1x OkölinX-ARL, 1x BFF, 2x Grüne, Ablehnung: nach anfänglicher Uneinigkeit ob 3 oder 4 Gegenstimmen CDU mit 4 Gegenstimmen).

Randbemerkung zur politischen Kultur:

Eine Randbemerkung zum Abstimmungsverhalten der CDU möchte ich hier mitgeben, auch, wenn es immer eine Herausforderung ist, nicht ungerecht zu sein in der Kritik, die man an einer anderen politischen Partei äußert. Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Michael Weber, hat zu Beginn der Debatte das Wort gegen den Antrag erhoben: Die Stadt würde sich schon an Regeln halten und einfach mal neue Maschinen zu kaufen, sei zu teuer. Obwohl der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Andreas Laeuen, die Bedeutung des Wortes „Nachbestellung“ im Sinne einer Ersatzbestellung für ausgedientes Material erklärte und der Vorsitzende der Ortsbeirats, Oliver Strank (SPD) darauf hinwies, dass eine der Funktionen des Ortsbeirats gerade darin bestehe, der Stadt gegenüber auch eine Kontrollfunktion auszuüben, blieb die CDU bei ihrer Antihaltung, für eine saubere Stadt müssten die Bürger eben „ein bisschen Lärm“ ertragen. Beim Abstimmen schwankte die CDU-Fraktion dann doch zwischen drei Nein-Stimmen und einer Enthaltung und den vier Nein-Stimmen, die sie letztlich – man kann vermuten aus einem gewissen Gruppenzwang heraus – abgegeben hat. Ein ähnliches Verhalten hat auch die CSU-Fraktion an den Tag gelegt, als meine Petition für die Abschaffung der materiellen Privilegien der ehemaligen bayerischen Königsfamilie in der Sitzung des Petitionsausschusses des Bayerischen Landtags am 29. September 2016 verhandelt werden sollte. Eine inhaltlich ausführlich begründete Sache, die der Allgemeinheit dienen soll, wurde in beiden Fällen eher abgewiegelt als offen mit nachvollziehbaren Argumenten diskutiert. Ich habe das in beiden Fällen als wenig konstruktiv und als eine dem demokratischen Meinungsbildungsprozess eher schadende Haltung empfunden. In beiden Fällen schien die Beschäftigung mit dem Antrag eher oberflächlich, zeigte die Fraktion kein Interesse an einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem aufgebrachten Thema, war eine reflexhaft abwehrende Haltung zu erkennen und führte eine wenig engagierte Arbeit (oberflächliches Lesen, abwiegelnde Stellungnahmen) in den Wortbeiträgen und Diskussionen zur falschen Wiedergabe des Antragszwecks oder zu einer Schwerpunktsetzung in der Debatte, die nicht im Kern des Anliegens stand, bzw. absichtlich oder unabsichtlich an ihm vorbeischoss. In der Position politischer Stärke liegt auch eine Gefahr für die Demokratie, weil sie so etwas wie die „Arroganz der Macht“ mit sich bringen kann. Dieses (falsche) Überlegenheitsgefühl lässt dabei die Qualität der inhaltlichen Auseinandersetzung, die in gegenseitigem Respekt stattfinden sollte, leiden. Nicht umsonst beklagt der Kabarettist Gerhard Polt, der (in seinem Fall) die bayerische Politik seit Jahrzehnten eng begleitet, er habe im CSU-dominierten Bayern nie eine echte Demokratie erlebt (bei 8‘45‘‘ ff.).

Audio-Mitschnitt (4’03“) der Verhandlung des hier beschriebenen Tagesordnungspunktes 34 „Nachbestellung von leiseren Kehrmaschinen“.

 

Theaterkritik: „Out of Order“ von der Gruppe „Forced Entertainment“ aus Sheffield im Bockenheimer Depot, Frankfurt am Main

Wer angesichts von Kriegen, Flüchtlingswellen, Fake News und Geheimsdienstanschlägen die Welt nochmal erklärt bekommen möchte, der geht dieser Tage in Frankfurt am besten ins Bockenheimer Depot zu „Out of Order“. Anderthalb Stunden Theater legen uns dort die Geschichte der Welt anhand einer pantomimischen Anthropologie zu Füßen. Keiner einzigen gesprochenen Silbe bedarf es für diese fesselnden und wohltuenden 90 Minuten.

Sechs Schauspielerinnen und Schauspieler in gleichkarierten Anzügen durchlaufen die Zyklen des menschlichen Dramas: Gemeinsamkeit, Reizbarkeit, Hass, Verfolgung, Sorge, Hilfe, Zwang und scheinbare Beruhigung, dann wieder Reizbarkeit und Gereiztheit, die hochgradig unnachvollziehbar ist und wieder ausbricht in Hass, Aggression, Verfolgung, Zerstörung, Angst, Flucht, dem Bemühen, das alles zu besänftigen, was wiederum scheinbar ohne Grund passiert, nur, um im nächsten Moment wieder und stärker und schneller und doch immer gleich zu explodieren, zu eskalieren. Immer wieder, im Theater aufs unterhaltsamste und heimeligste untermalt mit Patti Austins rhythmischem Lied „Someone’s gonna cry“ („and it’s gonna be me“, heißt es im Text später, und nicht umsonst). Kein Wort wird gesprochen aber das Gespielte ist so aufs Wesentliche verdichtet, dass die Trumps, Kims, Erdogans und Mustermanns dieser Welt auf der Bühne zu tanzen scheinen und man sich denken darf: Danke, dass Ihr die traurige Gemeinheit der Menschen so wortkarg entlarvt.

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Der Theatergenuss ist so rund wie das Stück unkonventionell ist. Die Musik, die in der zweiten Hälfte von der oben erwähnten expliziten Songtextschleife zu Johann Strauss‘ Walzer von der schönen blauen Donau wechselt, ist Wohlfühlmusik mit einer unmissverständlichen Botschaft von erwartbarer Tragik und leicht und ewig plätschernder Ignoranz. Herz und Kopf sind damit bestens versorgt. Die Sprechfreiheit ist wohltuend, weil sie einem „den Unsinn erspart“, wie es mal im Werbejingle eines eher seriösen niederländischen Radiosenders formuliert wurde, oder, um es positiv zu fassen „Alles von Relevanz“ übrig lässt, wie die Selbstdarstellung des Deutschlandfunk es sagt. Das Gewicht der Szenen wird nicht zersplittert und aufgelöst von einem – wenn man Pech hat – zeitungeistig-gewollten Theatersprech, der so gekünstelt wirken kann, dass er mehr ablenkt als informiert.

Vom ewigen Kreislauf aus Reizbarkeit, Aggression, Angst und Verfolgung geht es irgendwann, vermutlich aus Langeweile, über in ein Muster gleichförmig-trottender Gefolgschaft, Eintönigkeit, Inspirations- und Individualitätslosigkeit. Herdentrieb und Mitläufertum führen zum pointiert gezeigten Verzicht darauf, selbst im Angesicht des Leides des Anderen, Verantwortung zu übernehmen und zugunsten des auf der Strecke Gebliebenen aus dem Immergleichen auszuscheren, dem alle folgen. Auch hier sagt das stumme Theaterstück mit Wucht so viel über unsere Wohlstandsgesellschaft im Angesicht des von ihr verursachten Wohlstandsgefälles, im Angesicht der Flüchtlinge, die durch unser Immerweiterso eigener Lebenschancen beraubt sind und die wegen unserer Bequemlichkeit und Angst auf keine Veränderung und keine gerechte Verteilung des Weltkuchens zu hoffen haben.

Sattes, leeres Spiel folgt dieser menschlichen Tragödie. Die wie Fleischberge Dalümmelnden blasen Luft in bunte Ballons und lassen sie im lustigen Spiel Pirouetten drehen nach allen Richtungen. Im Saal entlädt sich beim ein oder anderen der Frust des Arbeitstags (oder wahlweise das aufgestaute Bedürfnis nach ein bisschen Freude und Leichtigkeit) in hellem Lachen. Ein Bild der Dekadenz, dem nur wieder Eines folgen kann: Irritation, Streit, Kampf, Krieg.

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Diesmal mit anderen Mitteln, etwas „weiter“, etwas „höher“ entwickelt, etwas subtiler vielleicht, entsteht mittels Tröten aus der ludischen Phase von Muße und Spiel die Irritation. Der Übergang vom Spielerischen zur gezielten Bösartigkeit ist kaum wahrnehmbar, es ist ein ganz, ganz kleiner Schritt. Doch der genügt, um wieder da zu landen, wo alles begann: in atemloser Aggression, in Verfolgung, in panischer Angst.

All das ist so prägnant und entlarvt damit das große Kino mit seinen obszönen Gewaltdarstellungen als überflüssig. „12 Years a Slave“ oder „No Country for Old Men“ sind vor lauter Peitsch- und Folterorgien sowie blanker Mordlust viel weniger komfortabel anzusehen als dieses einfache Bühnenstück und bleiben doch schwächer in ihrer Aussage über das menschliche Sein.

„Out of Order“ der Gruppe „Forced Entertainment“ unter der Regie von Tim Etchells, seit dem 27. April 2018 im Bockenheimer Depot, nächste Vorstellungen am 3., 4. Und 5. Mai, sowie am 15., 16., 17. und 18. Mai, jeweils um 20 Uhr.

Die Kritiken aus F.A.Z. und taz hier zum Nachlesen.